Im Rahmen des diesjährigen Österreichischen Archäologietag in Wien war die IFÖ mit einer Posterpräsentation vertreten und hat dort ihre Arbeit einem interessierten archäologischen Fachpublikum vorgestellt. Die Präsentation bot eine hervorragende Gelegenheit, unser Projekt sichtbar zu machen und mit anderen Teilnehmer:innen ins Gespräch zu kommen. Gerade diese Gespräche und konstruktiven Diskussionen haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Numismatik und Archäologie ist und wie bereichernd diese für den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn ist.
Wir bedanken uns für die Möglichkeit Teil des diesjährigen ÖAT gewesen sein zu können und allen, die sich Zeit für ein Gespräch genommen und Interesse an unserem Poster gezeigt haben.
Münzen waren seit jeher Zeichen wirtschaftlicher Aktivitäten und der monetären Erschließung neuer ökonomischer Räume. Seit dem 1. Jahrhundert vor Christus lässt sich dieses Phänomen auch am nördlichen Alpenbogen beobachten. Gemeinsam mit der Errichtung von militärischen Posten und einem Straßennetz, das diese verband, zählt der Geldumlauf zu den Zeugnissen des römischen Einflusses im Raum des heutigen Österreich.
Im Zuge des Projektes „Inter Alpes Noricas: Verkehrswege und Ressourcenerschließung“ unter der Leitung von Univ.-Doz. Mag. Dr. Stefan Groh (Österreichisches Archäologisches Institut/ÖAW) werden von der „IFÖ – Initiative Fundmünzen Österreich“ erneut römische Fundmünzen bestimmt und ausgewertet. Die etwa 4.200 Münzen stammen vor allem aus archäologischen Grabungen, die seit 2003 auf dem Gebiet des heutigen Wels, das in der Antike Ovilava oder Ovilavis hieß, gefunden wurden. Mit der Bestimmung und Auswertung der Fundmünzen von Ovilava/Ovilavis durch Dr. Marc Philipp Wahl wird die zeitliche Lücke, die zwischen der Publikation des FMRÖ IV.1 im Jahr 2003 entstanden ist, geschlossen. Wir bedanken uns bei Mag.a Michaela Greisinger (Stadtmuseum Wels), Privatdoz. Dr. Klaus Vondrovec (Münzkabinett/KHM) und Univ.-Doz. Mag. Dr. Stefan Groh (ÖAW) für die gelungene Zusammenarbeit.
Galba (68–69 n. Chr.), Denar, Rom, 68–69 n. Chr., RIC I², 167, FO: Wels.
Ende März 2025 erfolgte, durch Vermittlung des Münzkabinetts des Kunsthistorischen Museums, die Meldung einer spätmittelalterlichen Fundmünze aus Kärnten an das Bundesdenkmalamt. Bei dem Altfund, der bereits im Sommer 1971 in Wiederschwing, Gemeinde Stockenboi (PB Villach Land) gemacht worden ist, handelt es sich um einen ungarischen Goldgulden König Sigismunds (1387–1437), der nun erstmalig erfasst, und der Wissenschaft zugänglich gemacht werden konnte.
Die Vorderseite des Goldgulden aus WiederschwingDie Rückseite des Goldgulden
Die Vorderseite zeigt ein geviertes Wappen mit den Árpádenstreifen und dem Böhmischen Löwen. In der Umschrift wird Sigismund als König Ungarns genannt. Auf der Rückseite ist der heilige Ladislaus mit Nimbus dargestellt, in der Rechten eine Streitaxt, in der Linken einen Reichsapfel haltend, der Schriftzug gibt den Namen des Heiligen wider. Seitlich sind die Zeichen des zuständigen Kammergrafen Nikolaus von Redewitz angebracht, ein unziales h sowie ein Kreuzschild, wodurch die Münze auf die Jahre 1430/31 datiert und der Münzstätte Nagybánya zugewiesen werden kann.
Gefunden wurde die Goldmünze auf einem alten Hofareal, beim Aushub eines Kellers für einen Neubau in den 1970er Jahren. Zu dem Grundstück gehört auch eine alte Kapelle, die heute anderwertig in Verwendung ist. Ob der Sakralbau in die Zeit des 15. Jahrhunderts zurückreicht, und ob hier ein Zusammenhang mit der Fundmünze besteht ließ sich noch nicht klären (Stichwort: Münzen im sakralen Kontext).
Der 1430/31 in Nagybánya (heute Baia Mare, Rumänien) geprägte Goldgulden König Sigismunds gehört zu jenen Goldmünzen, die seit den dreißiger Jahren des 14. Jahrhunderts von Ungarn aus in das Gebiet des heutigen Österreichs vordrangen. Die seit dem späten 13. Jahrhundert steigenden Bedürfnisse von Handel und Wirtschaft verlangten immer mehr nach einem fein differenzierten Nominalsystem; der bisweilen ausgeprägte kleine Pfennig des Mittelalters reichte für große überregionale Geldgeschäfte nicht mehr aus. Als Reaktion darauf kam es zur Einführung von Mehrpfennignominalen wie dem Groschen in Silber. Die norditalienischen Städte prägten aber auch Goldmünzen, so wie Genua und Florenz ab 1252 bzw. Venedig ab 1284. In gesamt Europa breiteten sich der sog. Floren und Dukat als Handelsmünze rasant aus und der daraufhin auch vielerorts Nachahmung fand.
In Österreich wurde weiterhin der Pfennig geprägt, für den überregionalen Handel verwendete man die ausländischen Großnominale. Das waren ab dem 14. Jahrhundert der in Kuttenberg geprägte Prager Groschen sowie der ungarische Goldgulden, der ab den 1330er Jahren für den österreichischen Raum relevant wurde. Ungarn hatte 1325 – also nur kurz zuvor – begonnen, Goldmünzen nach Florentiner Vorbild auszuprägen. Knapp danach strömten diese mit dem überregionalen Handel in den österreichischen Raum und gewannen hier stark an Bedeutung. In diesem wirtschafts- und geldhistorischen Kontext am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit fällt nun auch der ungarische Goldgulden aus Kärnten.
Diese Situation Ende des Spätmittelalters lässt sich auch an der Fundlandschaft Österreichs ablesen. So sind aus dem heutigen Bundesland Kärnten Goldmünzen aus fünf Einzel- sowie drei Schatzfunden des 14. und 15. Jahrhunderts bekannt.
In Steinbichl (PB St. Veit an der Glan) kam ein Mainzer Goldgulden, geprägt unter Erzbischof Gerlach von Mainz (reg. 1349–1371), zum Vorschein. Aus Gmünd (PB Spittal an der Drau) stammen aus zwei unterschiedlichen Einzelfunden ein venezianischer Dukat des Dogen Antonio Venier (reg. 1382–1400), gefunden in der Stadtpfarrkirche, sowie ein ungarischer Goldgulden König Sigismunds (1387–1437). Ein weiterer ungarischer Goldgulden wurde in Steindorf am Ossiachersee (PB Feldkirchen) entdeckt; er stammt von Albrecht (V.) von Österreich (1437–1439) und wurde 1438 in Sibiu/Hermannstadt (Siebenbürgen) geprägt. Aus Semlach (PB St. Veit an der Glan) stammt ebenfalls ein ungarischer Goldgulden des Matthias Corvinus (1448–1490). In Töschling (PB Klagenfurt) wurde ein Schatzfund der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit 14 Goldmünzen entdeckt; darunter fünf venezianische Dukaten, zwei österreichische Goldgulden und sieben ungarische Goldgulden Ludwigs I. (1342–1382). Ein kleiner Goldhort aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt aus Weißbriach (PB Hermagor). Der Fund setzt sich aus fünf Goldgulden des deutschen Raums zusammen (1x Hamburg, 1x Köln, 1x Nürnberg, 2x Heidelberg), hinzu kommen ein venezianischer Dukat sowie zwei ungarische Goldgulden Ladislaus‘ (1452–1457). Der letzte Schatzfund, entdeckt in Robesch (PB Völkermarkt), bestand aus 454 Silbermünzen und einer Goldmünze und scheint in den 1470er Jahren verborgen worden zu sein. Beim Großteil (ca. 70 %) handelt es sich um Tiroler Kreuzer, ein kleinerer Teil setzt sich aus Pfennigen des österreichisch-süddeutschen Raumes zusammen; neben wenigen venezianischen Groschen war auch ein Goldgulden des Matthias Corvinus (1458–1490) enthalten. Unter diesen 28 aus Kärntner Funden stammenden Goldmünzen macht der ungarische Anteil 46 %, also beinahe die Hälfte, aus. Diese anscheinende Dominanz der ungarischen Goldgulden mag vermutlich an der Nähe Ungarns und den intensiven Handelsbeziehungen liegen; für ein gesamtheitliches Bild wäre aber eine umfassende Fundanalyse des ostösterreichischen Raums hinsichtlich des Umlaufs von Grosch- und Goldnominalen anzudenken und die ältere Literatur dazu auf den aktuellsten Stand zu bringen – eine entsprechende Untersuchung ist am Wiener Münzkabinett angedacht.
Literaturhinweise (Auswahl)
Michael Alram, Der Wiener Pfennig. Von Herzog Leopold V. (1177-1194) bis Kaiser Friedrich III. (1452–1493), in: 800 Jahre Münzstätte Wien, S. 53–74.
Márton Gyöngyössy, Mediaeval Hungarian Gold Florins, Budapest 2005.
Bernhard Koch, Goldgeld und Groschenmünze im österreichischen Geldverkehr des Mittelalters, in: Numismatische Zeitschrift 81(1965), S. 3–13.
Bernhard Koch, Die Anfänge der Gold- und Groschenmünzen in den österreichischen Alpenländern 1250–1350, in: Numismatický sborník 12 (1971/72), S. 245–250.
Heinz Winter / Márton Gyöngyössy, Münzen und Medaillen des ungarischen Mittelalters 1000–1526 (Sammlungskataloge des Kunsthistorischen Museums 4), Wien 2007.
Kontakt
Johannes Hartner (Kurator Mittelalter im Münzkabinett, Kunsthistorisches Museum)
Das Projekt zur Bestimmung der Münzsammlung des Stadtmuseums Krems konnte im Oktober 2024 abgeschlossen werden. Insgesamt 464 Münzen wurden im Rahmen des Projektes bestimmt, fotografisch dokumentiert und digitalisiert. Bei etwas weniger als der Hälfte der Stücke handelt es sich um Fundmünzen und die historische Herkunft der Münzen ist äußerst heterogen; so stammt ein großer Teil aus der römischen Antike (nur einige wenige Stücke sind der griechischen Antike zuzuordnen), aber auch die Neuzeit ist mit Münzen aus der Frühen Neuzeit sowie Stücken aus dem 19. und 20. Jahrhundert vertreten.
Rechenpfennig von Johann Adam Vogel (1737–1760) aus Nürnberg; Groenendijk – Levinson III 2021, S. 235 Nr. 1688.
Auch einige Rechenpfennige sind in der Sammlung enthalten und bei dem hier abgebildeten Stück handelt es sich um einen Rechenpfennig, der aus einer Grabung in Stein-Ried Altenburg stammt. Das Stück wurde von Johann Adam Vogel gestaltet und in der Zeit 1737–1760 geprägt. Zudem weist es gleich drei sekundäre Merkmale beziehungsweise Punzierungen auf – I/O/3. Es sind in einigen Sammlungen, die Rechenpfennige führen, auch Stücke bekannt, die solche nachträglich angebrachte Gegenstempel aufweisen und bisher wurde vorgeschlagen, dass diese punzierten Rechenpfennige als Wertmarken und „Blechgeld“ verwendet wurden (siehe Heisler 2021).
Bei Rechenpfennigen handelt es sich um meist in Messing geprägte nicht-monetäre münzähnliche Stücke, die für die sogenannte „Rechnen auf Linien“-Methode vor allem während des 13.–17. Jahrhunderts verwendet wurden. Das obige Stück stammt aus Nürnberg, was ein bedeutendes Produktionszentrum für Rechenpfennige in der Frühen Neuzeit war.
Literatur
F. Groenendijk – R. A. Levinson, Nürnberger Rechenpfennige. Band 3: Von Lauffer zu Lauer, München 2021. E. Heisler, Rechenpfennige des 18. und 19. Jahrhunderts der Nadelburger Messing- und Metallwarenfabrik und ihre Verwendung als Wertmarken, Wertmarkenforum, November 2021; hier online abrufbar.
Am 18. September hielten David Burisch und Benedikt Prokisch in der „Österreichischen Numismatischen Gesellschaft“ einen Vortrag über die Herausforderung Fundmünzen in Österreich. Im gut besuchten Stempelsaal der Münze Österreich wurde den Teilnehmenden ein Einblick in die Bearbeitung und den Umgang rund um das Thema Fundmünzen gegeben. Dabei wurden unter anderem über die Geschichte der modernen Fundmünzerfassung, aktuelle Projekte der IFÖ, die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen und zukünftige Herausforderungen ausführlich referiert und anschließend diskutiert. Wir bedanken uns bei der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft für die Einladung und bei der Münze Österreich AG für das geschichtsträchtige Ambiente.
David Burisch und Benedikt Prokisch während ihres Vortrags.
In weniger als einem Monat konnten 53 römische Fundmünzen, die im Zuge der Erneuerung der Erdgasleitung zwischen Trausdorf und St. Margarethen in der KG St. Margarethen im Burgenland (MG St. Margarethen im Burgenland, VB Eisenstadt-Umgebung, Burgenland) gefunden wurden, bestimmt werden. Die Grabung wurde von der PannArch GmbH unter der Leitung von Maximilian Piniel Mitte des Jahres 2023 durchgeführt. Bei den gefundenen Münzen handelt es sich um Einzelfunde, die hauptsächlich in das 4. Jahrhundert n. Chr. datieren und in großen Mengen in dieser Region gefunden werden. Nach der Dokumentation und Bestimmung durch David Burisch ist eine Publikation zusammen mit Maximilian Piniel angedacht.
Constantius II. (337–361), Centenionalis, Siscia 361–361 n. Chr., RIC VIII, 352 = 361 (Fundnummer 000-10).
Die regelmäßig angebotenen Lehrgrabungen des Instituts für Urgeschichte und Historische Archäologie an der Universität Wien, bringen mehrfach Fundmünzen in wissenschaftlichen Kontexten hervor. Besonders die mehrjährige Lehrgrabung in Müllendorf (Burgenland) im Bereich eines römischen Vicus ist für numismatische Untersuchungen interessant. Nun wurde ein in der Grabungssaison 2022 gefundener Kleinhort Vanessa Zumtobel (IFÖ) zur Bearbeitung übergeben.
Der Denarhort stammt aus einer Ofen- oder Heizanlage, die nach ersten Einschätzungen wohl in das späte 2. bis frühe 3. Jahrhundert n. Chr. datiert. Die Münzen wurden auf einer kompakten Fläche innerhalb der Anlage entdeckt, ein Behälter oder Textilreste konnten nicht festgestellt werden. Die Objekte waren mit einer Brandpatina umhüllt, weshalb aktuell davon ausgegangen wird, dass der Hort definitiv vor Ende der Benutzungsdauer der Anlage deponiert wurde.
Nach der Restaurierung der Objekte in der Restaurationswerkstatt des Instituts für Urgeschichte und Historischen Archäologie steht nun fest, es handelt sich vorwiegend um Legionsdenare des Mark Anton, einige weitere republikanische Denare und einen Denar des Vespasians. Die sehr starken Abnutzungsspuren belegen die lange Umlaufdauer der Münzen.
Unter dem Titel „Herausforderung Fundmünzen – Rückblick und Perspektive in Österreich“ veröffentlichten David Burisch und Benedikt (IFÖ) einen Aufsatz im Mitteilungsblatt des Instituts für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien. Neben einen kurzen Rückschau über die Projekte und Pläne der Vergangenheit, widmet sich die Arbeit der aktuellen Situation in Österreich und insbesondere der Auswertung einer Umfrage unter Metallsuchenden.
Am 18.1. fand im Ahnensaal der Hofburg der einmal jährlich stattfindende „Runde Tisch der Archäologie“ des Bundesdenkmalamtes statt. Die Eröffnung der Veranstaltung und die Präsentation des neuen Denkmalschutzgesetzes erfolgte durch den Präsidenten Dr. Christoph Bazil. Im Folgenden wurden zahlreiche Projekte sowie Änderungen in den archäologischen Richtlinien in Österreich vorgestellt. Die IFÖ durfte das Projekt zu den Linzer Fundmünzen und neue Erkenntnisse des vermeidlichen Schatzfundes am Tummelplatz in der Linzer Altstadt präsentieren. Darüber hinaus berichteten zwei weitere Mitglieder der IFÖ über den aktuellen Forschungsstand des Projektes „Nowak“ im Kunsthistorischen Museum Wien. Wir bedanken uns bei dem Bundesdenkmalamt für die Organisation der Veranstaltung und besonders bei Univ.-Doz. Dr. Bernhard Hebert für die Moderation.
Ein weiteres Projekt konnte für die Initiative Fundmünzen Österreich gewonnen werden. Im Museum der Stadt Krems (Niederösterreich) existiert eine durchaus beachtliche Münzsammlung, die sich sowohl aus Fundmünzen als auch aus Objekten ohne Provenienz zusammensetzt. Am 6. Oktober waren David Burisch und Benedikt Prokisch bei Sabine Laz (Operative Leiterin Museum Krems) zu Gast, um einen Teil der Münzsammlung des Museums zur Bearbeitung ans Institut für Numismatik und Geldgeschichte nach Wien zu überführen. Der zu bearbeitende Bestand umfasst in etwa 450 numismatische Objekte, die von der römischen Antike bis in die Zweite Republik reichen.
Maya Lerner bei der Bestimmung antiker Fundmünzen.
Ein nicht unbedeutender Anteil der Sammlung stammt aus archäologischen Kontexten, die nach einer ersten Durchsicht bereits die ein oder andere Besonderheit enthalten. So befindet sich beispielsweise ein Pfennig von Leopold V. (1177-1194) aus der Münzstätte Krems in der Sammlung des Museums, der in Krems gefunden wurde und damit in eine Zeit fällt, als die österreichischen Herzöge ihre Münzstätte von Krems nach Wien verlegten.